Unser Bootsanleger in der Lesum ist der ehemalige Anleger des legendären Bremer Bootsbauers Hermann Claus

Gedenkend blicken wir zurück …

Auch heute noch liegen einige der handgebauten Kustwerke bei uns am Steg: die edlen HC-Boote.
Wir haben Hermann Claus als Künstler und Erschaffer kennengelernt. Nur vereinzelt kann man Informationen über Hermann Claus finden. Seine Boote sagen genug über ihn aus. Trotzdem haben wir hier einiges zusammengefasst, um etwas über die besondere Person hinter den besonderen Booten zu erzählen.

Der Bremer Holzbootbauer Herrmann Claus

Der Bremer Holzbootbauer Hermann Claus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Unikat und seine Unikate:
Der Meisterbootsbauer Hermann Claus

Jedes einzelne Boot wurde mit Liebe zum Detail gefertigt. Oft erkennt man erst auf den zweiten oder dritten Blick, dass es sich um Vollholzboote handelt. Insgesamt rund 90 Boote hat Hermann Claus gebaut, die meisten von ihnen in seiner kleinen Werft an der “Kleinen Wümme” nahe der Universität Bremen. Die HC-Boote haben sich ihren Weg durch ganz Europa gebahnt. Selbst in Paris und London liegen sie.

Hermann war ein praktisch denkender Mann mit einer besonderen Liebe zum Detail. Die pfiffigen Ideen, die er in seine Boote integrierte, zeugen von viel Erfahrung an Bord. Die HC-Boote sind praktisch gebaut und dennoch von einer Eleganz, die noch immer seinesgleichen sucht.

Die Fahrer seiner Boote werden nicht selten gefragt, ob ihr Boot ein echtes “RIVA” wäre – dabei ist ein HC-Boot viel mehr! Hermanns Boote sind wirkliche Einzelstücke, während selbst “RIVA” in die Massenfertigung gegangen ist.

Hermann war ein Meisterbootsbauer. Er selber differenzierte zwischen Bootsbaumeistern und Meisterbootsbauern. Mit großen Werbemaßnahmen hatte er nichts im Sinn. Das Produkt musste für sich sprechen und insgesamt sowie im Detail überzeugen. Somit waren seine zufriedenen Kunden seine PR-Botschafter.

Dabei hat er nicht jedem ein HC-Boot gebaut, der es wollte. Wenn Hermann die “Nase” des Interessenten nicht passte, musste man mit einem “Nein” rechnen.

Alles begann 1960, als der Bremer Kanuverband eine Ausschreibung für einen Bootsneubau herausgab. Grund genug für Hermann Claus, bei der AG-Weser-Werft zu kündigen und sich mit einem Wochenlohn in der Tasche selbstständig zu machen. Nach sieben Kanus wurde die “Fortuna” auf Kiel gelegt – sein erstes Sperrholzboot.

Genauer gesagt handelt es sich um kochfestes, seewasserbeständiges Marine-Sperrholz mit 1,5 mm-Mahagonideckfunier. Die Vorteile des Sperrholzes beschreibt Hermann 1994 in der Herbstausgabe der Zeitschrift Boot. Seine Boote sind durch dieses Material bereits vor dem ersten Farbanstrich absolut wasserdicht. Sperrholz arbeitet nicht – dehnt sich also nicht aus und zieht sich nicht zusammen, sobald klimatische Veränderungen auftreten – und ist bei Weitem nicht so pflegeintensiv wie angenommen wird.

Die Außenhaut eines HC-Bootes muss jedes Jahr angeschliffen und lackiert werden. Für das Deck fällt diese Arbeit alle zwei Jahre an. Das Boot weist den Schmutz stärker ab als ein Kunststoffboot – gute Pflege natürlich vorausgesetzt. Zur Reinigung eines HC-Bootes reichen ein Schwamm und klares Wasser.

Wie wurden die Boote gebaut?
HC-Boote sind ein Stück Handwerkskunst. Das Rumpfkonzept besteht im Prinzip seit 1960; es wurde im Laufe der Jahre auf Grundlage von Kundenerfahrungen immer weiter verbessert, “denn”, so Hermann Claus, “zeichnen nützt nicht immer, probieren muss man!”

Auf die Frage der Boot-Redaktion im Jahre 1994, ob er einen Computer zum Entwickeln der Boote benutze, tippte Hermann sich an die Stirn und sagte: “Mein Computer sitzt auf meinem Hals.”  Dieser Comuter hatte auch die beiden Rumpf-Varianten erarbeitet, mit denen er die HC-Boote gebaut hat. Hermann Claus war ein besonderes Unikat – genauso wie seine Boote.

Wir freuen uns, dass wir ihn und seine Boote kennen und schätzen lernen durften. Seine Boote werden wir noch lange bewundern und bewahren. Hermann Claus verstarb Ende 2013.